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4. „The democratic way of life in Austria“
gramm als auch Politik des Austrofaschismus viele Gemeinsamkeiten zum Nationalsozialismus aufwiesen :
“The authoritarian Austrian regime was distinguished from the Nazi brand of authoritarianism
chiefly by the fact that it leaned upon Mussolini rather than Hitler for material and ideological support , that it was backed by the Catholic Church , and that it did not promulgate any
racial legislation. Otherwise , Austrian authoritarianism resembled the Nazi form in its abolition
of popular sovereignty and popular representation , prohibition of opposition parties , creation of
compulsory and semi-compulsory organizations , destruction of free trade unions , and establishment of concentration camps , etc.”1223 [ Hervorhebung d. Verf. ]
Im Kontext der Entnazifizierung wäre daher besonderes Augenmerk auf die mittleren
und niederen Chargen der öffentlich Bediensteten zu richten , die vom NS-Regime übernommen wurden1224 und die vor dem Hintergrund ihrer undemokratischen „kleriko-autoritären“ Überzeugungen eine Gefahr für den demokratischen Wiederaufbau darstellen
würden : „[ … ] their inclusion in the de-Nazification process requires amplification.“1225
Neben Wirtschaft , Politik und Ökonomie wäre insbesondere auch der Bereich des kulturellen Lebens , der Bildung und der Wissenschaft gründlich von allen reaktionären Elementen zu säubern , wobei – wie der Bericht einräumte – die Frage nach dabei allenfalls
auftretenden personellen Nachbesetzungsproblemen an anderer Stelle und zum gegebenen
Zeitpunkt zu klären wäre :
“Writers and editors of newspapers and periodicals since 1938 have been instrumental in the
dissemination of Nazi propaganda as have the Nazi-appointed Rectors and Curators of universities and schools.”1226
Ende Mai 1945 wurde dem amerikanischen militärischen Geheimdienst OSS ein von britischer
Seite erstelltes Dokument übergeben , das unter dem Titel „German Universities under National-Socialism“ 26 Interviews mit deutschen und österreichischen akademischen „Prisoners of
War“ ( POW’s ) zusammenfasste , die Verlässlichkeit ihrer Aussagen bewertete , einen gerafften
Überblick über die Situation an den deutschen und österreichischen Universitäten gab und in
einem dreifachen Appendix1227 die Perspektiven zweier interviewter POW’s wiedergab.
1223 Ebd., 1 f.
1224 Die höheren Chargen würden , so sie übernommen worden wären , ohnedies unter die regulären Entnazifizierungskategorien fallen. Ebd., 7.
1225Ebd.
1226 Ebd., 9.
1227 Der dritte Appendix umfasst eine kurze Namensliste mit angefügter politischer Einschätzung des Lehrpersonals an österreichen Universitäten. Auf dieser Liste , die wohl ebenso unter Beiziehung der Einschätzungen der befragten POW’s erstellt wurde , wird Fritz Knoll , 1939–1943 NS-Rektor an der Uni-