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Zur Rolle Österreichs in der Reeducation-Planungder US-Militärstäbe 1943 / 4 4–1945
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Mit dem Einmarsch der US-Truppen in Österreich Anfang Mai 1945 – der durchaus
in „Siegermentalität“1121 erfolgte – war die verworrene und im Hinblick auf die geplante
mentale Umorientierung der österreichischen Bevölkerung hochgradig uneffiziente militärische Planungsphase zu Ende. Im Ressortstreit zwischen den zivilen Experten im State
Department und den pragmatischen Hardlinern im War Department , denen es in keiner
Phase um die langfristige „politische“ Dimension einer US-Militärverwaltung gegangen
war , hatten sich eindeutig die Militärs durchgesetzt. Das bestätigte sich nach Abschluss
des ersten alliierten Kontrollabkommens über Österreich am 4. Juli 1945 auch durch die
Implementierung der Informationsflusses bezüglich aller die österreichische Besatzung betreffenden Angelegenheiten : wie im Fall der deutschen US-Besatzungszone lief der Kommunikationskanal über die Schiene Joint Chiefs of Staff – War Department – SWNCC ;
damit war das State Department lediglich formal und am Rande miteinbezogen.1122
Das proklamierte Ziel der US-Besatzungsmacht in Österreich bestand damit in der
Sicherstellung der öffentlichen Ordnung und der Wiederherstellung einer funktionierenden Administration , und weniger „in der Wiederbelebung des demokratischen politischen
Lebens“;1123 eine Situation , die in den Lageberichten des OSS zur Situation in der unmittelbaren Nachkriegszeit heftig kritisiert wurde :
“The official ban on parties has done much to alienate the political leaders in Upper Austria and
to cripple the normal development of democratic life. [ … ] The impotence imposed upon men
who were prominent in Austrian public life before the Anschluss , or who have acquired influence as a result of their anti-Nazi activity , an impotence imposed by cutting them off from the
political direction of the Province , and from their followers throughout the Province , is such
as to awaken distrust in the democratic ‘talk’ of the Western Allies.”1124
1121 Dementsprechend harsch waren die ersten Verlautbarungen und Befehle der US-Besatzungsmacht formuliert. So hieß es etwa in einem am 5. Mai 1945 in Linz angeschlagenen Befehl des amerikanischen
Generals Holbrook : „Wenn aus dem Haus geschossen wird , werden 5 Häuser dem Erdboden gleich gemacht.“ Zit. nach : Kurt Tweraser , Die „unpolitische“ Periode der amerikanischen Besatzung in Linz und
Oberösterreich. Sommer und Herbst 1945. In : Prinzip Hoffnung. Linz zwischen Befreiung und Freiheit.
Ausstellungskatalog. Red. v. Willibald Katzinger und Fritz Mayrhofer , Linz 1995 , 36 bzw. 41.
1122 NARA II , RG 260 , USGCC 1944–45 , Box 34. Folder 14 [ 390 / 40 / 18 / 4–5 ]. Joint Chiefs of Staff , Communication Channel with Commander in Chief U. S. Forces of Occupation in Germany and Austria
[ J. C. S. 1408 / 1 , Secret ] , 23. Juli 1945 1 f.
1123 Tweraser , Die „unpolitische“ Periode der amerikanischen Besatzung in Linz und Oberösterreich , a. a. O.,
40. Zur US-Militärverwaltung in Österreich allgemein siehe auch : George C. S. Benson , American Military Government in Austria May 1945–February 1946. In : American Experiences in Military Government in World War II. Hrsg. v. Carl J. Friedrich , Washington D.C. 1948 , 169–194 ; Arnold Toynbee /  Michael Balfour /  John Mair , Four-Power-Control in Germany and Austria 1945–1946 , Oxford
1972 [ Reprint der Ausgabe v. 1956 ].
1124 Paul R. Sweet /  Edgar N. Johnson ( OSS ), The Formation of the Present Unpolitical Provincial Government , 2. August 1945. Zit. nach : Rathkolb ( Hrsg. ), Gesellschaft und Politik am Beginn der Zweiten
Republik , a. a. O., 234.
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